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In Sulzgries, einem damals in sich geschlossenen Vorort der Oberamtsstadt Esslingen, fanden sich vor langer Zeit einige (männliche) Sangesfreunde zusammen, um nach getaner Arbeit auf dem Feld und im Weinberg im Gasthaus einige Lieder zu singen. Bald kam auch der Wunsch zustande, einen Gesangverein zu gründen. Man schrieb das Jahr 1859, als die „Urbania Sulzgries“ entstand. Kurze Zeit später gründeten die Rüderner ihren „Liederkranz“ und die Männer aus Krummenacker den „Sängerkranz“. 1899 feierte die Urbania ihr 40-jähriges Bestehen mit der Weihe einer neuen Fahne. Das 10. Gausängerfest wurde am 15. und 16. Juni 1902 in Sulzgries von den Vereinen ausgetragen.
Aus den drei Vereinen wurde im Jahre 1925 ein leistungsfähiger Gesamtverein, der heutige „Sängerbund RSK“ (Rüdern – Sulzgries – Krummenacker). Dieser Verein konnte damals unter der Leitung des Musiklehrers Reinhold Geßmann viele musikalische Erfolge erzielen.
Im Jahre 1930 übernahm der langjährige Gauchorleiter des Karl-Pfaff-Gaues, Diplom-Musiklehrer Karl Mäder die Leitung des Chors. Während seiner neunjährigen Chorleitertätigkeit wurde auch im Jahre 1932 der Frauenchor gegründet. Ende 1933 waren 48 Sängerinnen und 82 Sänger aktiv.
Der zweite Weltkrieg hat auch in den Reihen der Sänger große Lücken hinterlassen, so daß nach Ende des Krieges ein Neuanfang gemacht werden mußte. 1945 konnte Fritz Holder als neuer Chorleiter gewonnen werden. Ernst Kenner, ein langjähriges Ausschußmitglied, wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt. Die Singspiele unter der Leitung von Fritz Holder sind vielen noch in Erinnerung. Es hat sich dadurch eine stattliche Sängerzahl gebildet.
Der Verein ging nach dem Dirigentenwechsel im Jahre 1953 mit Rudolf Gehrung weiteren großen Erfolgen entgegen. 1957 konnte der Frauenchor sein 25jähriges Bestehen feiern, und der Sängerbund lud 1959 alle Vereine aus der näheren und weiteren Umgebung zu seinem 100jährigen Jubiläum ein. Beim Festkonzert, mitgetragen von bekannten Solisten, und der Fahnenweihe der neuen Sängerbundfahne, die von den Ehrenmitgliedern gestiftet wurde, bekam der Sängerbund RSK die Zelterplakette. Dieses Fest war für den Verein ein voller Erfolg. Besondere Verdienste erwarb sich Julius Müller, der von 1952 bis 1959 dem Verein vorstand. 1960 übernahm Paul Vetter die Vorstandsschaft. Er trug wesentlich dazu bei, daß in zweijähriger Bauzeit ca. 100 Mitglieder 7500 freiwillige Arbeitsstunden in das Sängerheim im Bregel investierten.
Oberfestordner Willy Veigele bewirtete in hervorragender Weise das Sängerheim bis zu seinem Tode 1969. Heute ist das Sängerheim eine öffentliche Gaststätte und dient nach wie vor dem Traditionschor als Probelokal.
1968 konnte der Sängerbund in der Partnerstadt Vienne in Frankreich mit dem dortigen Chor Bande knüpfen, die das deutsche Liedgut über die Grenzen Deutschlands hinausgetragen haben. Der Chor veranstaltete regelmäßig Konzerte in der Aula der Fachhochschule und präsentierte sich als Männerchor, Frauenchor und gemischter Chor. Ein besonderes Fest war 1982 das 50jährige Frauenchor-Jubiläum, das mit einem Festabend und Gastsingen zahlreicher Vereine begangen wurde. Im Jahre 1983 übernahm der Sulzgrieser Ernst Schrade die musikalische Leitung des Vereins. 1987 feierte man mit vielen Gästen den 25. Geburtstag des Sängerheims RSK. Das 130jährige Bestehen des Sängerbundes wurde 1989 mit einem anspruchsvollen Festkonzert in der Aula der FH Flandernstraße, einer Matinee in der Schule Sulzgries (hier gab es eine Vereinschronik in Form einer Ausstellung) sowie einer gemeinsamen Kirbe/Kirchweih mit der evangelischen Kirche Sulzgries, die 150 Jahr alt geworden war, gefeiert. 1992 wurde eine neue Satzung des Sängerbundes RSK verabschiedet.
Seit 1993 leitete Heidrun Speck als Nachfolgerin von Ernst Schrade den Chor. Sie stellte ihre Fähigkeiten bereits bei diversen Anlässen unter Beweis. Seit 1994 war Ernst Eisele erster Vorsitzender des Vereins. Ihm gelang 1997 die Gründung eines „Jungen Chors“, zunächst mit 6-8 Mitgliedern. Heute ist dieser Chor auf ca. 60 Sängerinnen und Sänger angewachsen und nennt sich „VoicES“. Der Verein bestand seitdem aus zwei Chören: Dem „Traditionschor“ und „VoicES“.
1999 feierte der Verein sein 140jähriges Jubiläum mit einem gelungenen Konzert in der Aula der Fachhochschule Flandernstraße. Eine Jubiläumsfeier mit Ehrungen im Ev. Gemeindehaus Sulzgries sowie ein Konzert in der Ev. Kirche Sulzgries zusammen mit dem Ev. Kirchenchor, und dem CVJM-Orchester rundete das Jubiläumsjahr ab.
Im Jahr 2003 verließ die Chorleiterin des Traditionschors, Heidrun Speck, nach 10jähriger erfolgreicher Arbeit den Verein. Und so folgen die Chöre seitdem ebenfalls einer Frau, nämlich Alevtina Prokhorenko. Unter ihrer Leitung feierte der Frauenchor zusammen mit VoicES im Jahr 2007 sein 75jähriges Bestehen im Rahmen eines bunten Abends im Ev. Gemeindehaus in Sulzgris.
2009 beging der Sängerbund seinen 150sten Geburtstag mit einem außergewöhnlichen Konzert unter Mitwirkung des „Montanara-Chors“ im Neckarforum Esslingen. Anlässlich dieses Ereignisses wurde dem Verein vom Land Baden-Württemberg die „Conradin-Kreutzer-Tafel“ verliehen.
2010 beschloss der Verein, die Verantwortung mehr und mehr auf den jungen Chor VoicES zu übertragen. Seitdem gibt es ein bis zu 5-köpfiges Vorstandsteam. Für die beiden Chöre wurden Chorsprecher gewählt. Für den Traditionschor hat Dieter Seyerle diese Aufgabe inne.
Jedes Jahr am dritten Sonntag im September fand die traditionelle Kirbe des Sängerbundes am Sängerheim statt. Die letzte Kirbe wurde im Jahr 2019 anlässlich des 160-jährigen Bestehens des Vereins und des 180-jährigen Jubiläums der evangelischen Kirche in Sulzgries gefeiert. Zu dem Gottesdienst, bei dem der "Riesentrauben" in der Kirche aufgehängt wurde, kam der jetzige Bischof Ernst-Wilhelm Gohl, der in Sulzgries aufgewachsen, ist als Prediger. Anschließend wurde der Riesentrauben in einem Festzug zum Sängerheim gebracht. Nach Corona konnte diese Tradition leider nicht wieder aufgenommen werden.
2023 beging der Traditionschor im Rahmen eines Konzertes im ev. Gemeindehaus in Sulzgries das 20jährige Chorleiter-Jubiläum von Alevtina Prokhorenko. Dazu eingeladen war auch der Präsident des Chorverbands Karl-Pfaff, der der Jubilarin sowohl die Urkunde des Chorverbands als auch eine Gratulation des Schwäbischen Sängerbundes überreichte.
Der Traditionschor hofft auf eine noch viele Jahre dauernde Zusammenarbeit mit seiner Dirigentin, denn sie versteht es, mit fachlicher Kompetenz und dem richtigen Feeling die Sängerinnen und Sänger zu motivieren und zu begeistern und einen anspruchsvollen Chorgesang zu bieten.
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